Wehrdienstreform – Themenverfehlung

Der Umgang der Regierung mit der Sicherheit des Landes ist skandalös. Die ultimative Attraktivität des Wehrdienstes besteht darin, dass man nie in einen Einsatz gehen muss! Von Rainhard Kloucek

Erst einmal hat man eine Kommission lange tagen lassen, die dann endlich Vorschläge vorgestellt hat, mit einer klaren Empfehlung, wie die Reform des Wehr- und des Wehrersatzdienstes aussehen sollte. Acht Monate Grundwehrdienst und dann zwei Monate Übungen. Der Zivildienst (Wehrersatzdienst) sollte auf ein Jahr verlängert werden. Die acht Monate sind deshalb sinnvoll, weil es nach der Grundausbildung des einzelnen Soldaten auch noch eine Ausbildug im Verband geben sollte, die dann bei späteren Milizübungen weiter trainiert werden kann. Das Konzept ist nachvollziehbar.
Mehr als ein halbes Jahr später einigt man sich in der Regierung nun auf ein 6 plus 3 Modell für den Grundwehdienst, der Zivildienst soll nicht verlängert werden. Dafür sollen Grundwehrdiener Urlaub bekommen und besser bezahlt werden.
Der Kompromiss ist faul und zeigt die Realitätsferne der verantwortlichen Entscheidungsträger. Die sechs Monate sind eine Festschreibung des unbefriedigenden Status quo, die drei Monate Milizübungen eine Augenauswischerei, wenn die Ausbildung im Verband nicht mehr erfolgen kann. Das ist auch für einen Laien verständlich. Die sicherheitspolitische Lage in Europa müsste jeden Politiker aus der ideologischen Verblendung (egal welcher Richtung) herausholen.
Den Wehrersatzdienst will man erst dann verlängern, wenn sich zu wenige Stellungspflichtige für den Grundwehrdienst melden. Damit gesteht man sich in Wirklichkeit ein, dass man selber nicht an die permanent als Ziel vorgegebene Attraktivierung des Wehrdienstes glaubt.
Die ultimative Attraktivität des Wehrdienstes besteht darin, dass man nie in einen Einsatz gehen muss!
Die militärische Landesverteidigung dient dazu, allen eroberungslustigen Verbrechern klar zu sagen: probier es lieber nicht, Du wirst Dir bei uns die Zähne ausbeißen. Dass Grundwehrdiener bei einem Hochwasser auch zum Schlamm schaufeln eingeteilt werden können, ist ein Kollateralnutzen des Wehrdienstes.
So wie dieser faule Kompromiss nun aussieht, muss man davon ausgehen, dass die Politik nicht lernfähig ist. Es geht beim Wehrdienst offenbar nur darum, den Zivildienst zu erhalten, ohne den ganze Systeme zusammenbrechen würden. Verantwortungsvolle Politik sieht anders aus!