Im Einsatz für die Freiheit

In Kyiv wurde der Europapreis Coudenhove-Kalergi 2018 an die „Himmlische Hundertschaft“ verliehen. Ein Bericht von Karl von Habsburg.

Keiner der Demonstranten auf dem Euromaidan dachte wohl daran, dass man in einer europäischen Hauptstadt im Einsatz für die europäischen Werte noch sterben muss. Als im November 2012 die ukrainische Regierung Janukowitsch das ausverhandelte Assoziierungsabkommen mit der EU doch nicht unterzeichnete, begann in der Hauptstadt mit dem sogenannten Euromaidan eine massive Bürgerprotestbewegung gegen eine Politik, die das Land zurück in die völlige Abhängigkeit von Russland gebracht hätte. Blutiger Höhepunkt der Proteste waren gezielte Tötungen von Demonstranten im Februar 2014. Zirka 100 Menschen wurden von Scharfschützen liquidiert. Die Toten werden heute als Himmlische Hundertschaft bezeichnet, hauptsächlich junge Menschen (aber nicht nur aus der Ukraine), die für die Freiheit des Landes ihr Leben lassen mussten.

Überreichung des Europapreises Coudenhove-Kalergi 2018. Von links: Prinz Nikolaus von Liechtenstein, Präsident der Europagesellschaft Coudenhove-Kalergi, Ihor Poshyvaillo, Direktor des Museums der Himmlischen Hundertschaft, und Heinz Wimpissinger, Generalsekretär der Europagesellschaft.

Natürlich haben diese jungen Leute nicht für das Assoziierungsabkommen demonstriert. Sie haben für einen europäischen Weg der Ukraine gekämpft und für ihre Zukunft und die Zukunft ihrer Kinder. Die damaligen Proteste werden auch als Revolution der Würde bezeichnet. Es ging den Demonstranten um persönliche Freiheit und Eigenverantwortung, um persönliche Würde, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Es ging um eine Abwehr gegen eine Rückkehr in das paternalistische System aus der Sowjetzeit.

Getragen wurden die Proteste von einer breiten Bürgerbewegung, die nicht von den politischen Parteien organisiert wurde. Sie sollten eine Abkehr von der Herrschaft des alten Systems bringen.

Die Entscheidung der Europagesellschaft Coudenhove-Kalergi, den Europapreis 2018 an die „Himmlische Hundertschaft“ zu verleihen, ist Ausdruck des Einsatzes für die europäischen Werte, für Bürger- und Freiheitsrechte, den die Paneuropa-Union als einen ihrer Grundsätze vertritt. Die Verleihung des Preises kann zwar keines der Opfer, die ihr Leben für die Freiheit ließen, wieder lebendig machen. Aber es ist ein klares Signal, dass ihr Opfer nicht vergessen ist. Europa, das vereinte Europa, ist ein Friedensprojekt. Es sollte nicht nur ein Friedensprojekt für die EU sein, sondern eben für ganz Europa. Die Revolution der Würde war wohl eines der entscheidenden Ereignisse in der jüngeren Geschichte der Ukraine. Sie ist auch eine Erinnerung, dass Europa diesen Kampf um die Freiheit nie aufgeben darf. Sie muss immer wieder errungen werden.

Der Artikel erschien ursprünglich auf der Seite von Karl von Habsburg.