Asien wird noch immer ignoriert

Asiatische Staaten rücken immer mehr an die Spitze der Welt. Militärisch, wirtschaftlich und technologisch – China und Co. sind mittlerweile Global Player. Hierzulande bleibt die Aufmerksamkeit immer noch stark west-zentriert. Ein Fehler. Ein Kommentar von Stefan Haböck, Internationaler Referent der Paneuropabewegung Österreich.

Aktuell zieht Davos viel Aufmerksamkeit auf sich. Findet dort doch das renommierte Weltwirtschaftsforum statt, das dieses Jahr seinen eindeutigen Schwerpunkt auf den Klimaschutz gelegt hat. Es wäre polemisch darauf hinzuweisen, dass 1500 Privatjets und 2000 Limousinen dabei im Einsatz sind. Viel interessanter ist nämlich, welche Schwerpunkte in der Berichterstattung gelegt werden.

Dass der ORF vom World Economic Forum in Davos zwar die Reden von Donald Trump und Greta Thunberg live überträgt und im Studio analysiert, aber nicht die Rede des Repräsentanten eines Landes mit 1,4 Milliarden Einwohnern, liegt nicht nur am naheliegenden „Trump und Greta polarisieren“. Das Desinteresse für das Statement von Han Zheng, Vizepremierminister von China, zeigt ein Problem auf, das Paneuropa schon des Öfteren aufgezeigt hat. Eine starke mediale Fixierung auf die US-Tagespolitik, sowie Unverständnis für die Welt, die östlich von uns liegt.

Es zeigt eine west-zentrierte, fast schon fixierte Sicht, in der eine militärische, wirtschaftliche und digitale Großmacht noch immer deutlich weniger Aufmerksamkeitswert hat. Ja, Donald Trump ist als Präsident der USA einer der wichtigsten Politiker dieser Welt. Ja, Greta Thunberg ist eine sehr bekannte Aktivistin. Doch die Welt spielt sich nicht nur in den USA und Europa ab.

Vier Milliarden Menschen

In Asien liegen 47 Staaten und leben über vier Milliarden Menschen. Viele davon haben noch nie von Greta Thunberg gehört (auch wenn man es dem Chef von TikTok nicht abnimmt, dass er die junge Schwedin nicht kennen würde). In Indonesien leben rund 270 Millionen Menschen, was das Land übrigens zum größten muslimischen Staat der Welt macht.

Mit den ASEAN-Staaten (650 Millionen Einwohner), Vietnam (100 Millionen Menschen), Südkorea und Japan konnte die EU (zum Glück!) Abkommen schließen, ohne, dass es populistisch motivierten Widerstand gab. Den gab es interessanterweise nur bei den Abkommen mit Staaten des amerikanischen Kontinents (USA, Kanada, Brasilien), also auch hier starke Fokussierung.

Asien birgt – bei allen Problemen – viele Erfolgsgeschichten, vor allem wenn es um die Bekämpfung der Armut geht. Alleine der Aufstieg Chinas ist atemberaubend: 1,4 Milliarden Einwohner zählt die ostasiatische Atommacht. Binnen zehn Jahren hat man das BIP so gut wie verdoppelt. Mit 2,2 Millionen Soldaten stellt das Land die größte Armee der Welt. In den Rüstungsausgaben ist man Nummer 2 – hinter den USA.

China hat seltene Erden

China ist für über 90 Prozent der weltweiten Produktion sogenannter „Seltener Metalle“ verantwortlich – unverzichtbarer Bestandteil der modernen Elektronik. Die USA importieren 80 Prozent ihres Bedarfs nach den Metallen aus China. Mindestens 52 Staaten dieser Erde verwenden chinesische Technologie im Sicherheitsbereich. Mit Huawei ist ein chinesischer Konzern führend bei der 5G-Technologie. Der Staat investiert via umfassendem Finanzierungsprogramm in den meisten afrikanischen Staaten. Im Forbes Global 2000 Ranking sind unter den Top-10 Unternehmen fünf aus China (und vier aus den USA).

Das alles ist in Österreich wenig Thema in der öffentlichen Debatte. Am Balkan, eine Region, die Österreich ja am Herzen liegt, hat China eine Sicherheitskooperation mit dem zukünftigen EU-Mitglied Serbien abgeschlossen. Mit der OBOR – der One Belt One Road Initiative – investiert China in verschiedenen südosteuropäischen Staaten. China ist wirtschaftlich, politisch, geostrategisch und technologisch ein enorm wichtiger Player. Es wird Zeit, dass Asien die Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient.

Was Vizepremierminister Zan Hengh zu sagen hat, ist von großer globaler Relevanz.

Nicht nur Prinz Charles, sondern auch ihm zuzuhören, würde in unser aller Interesse liegen, wollen wir die Entwicklungen auf dieser Welt umfassender begreifen.

c Beitragsbild: Reuters