Haltung

Wie man mit einer dummen Schmeichelei den Nobelpreis entwürdigt. Ein Kommentar von Rainhard Kloucek.

„Ich brauche kein Taxi sondern Munition.“ Das war die Reaktion des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky auf die Vernichtungsinvasion des Moskauer Terrorregimes in die Ukraine im Februar 2022, auf das Angebot, ihn außer Landes zu bringen. Keiner wusste damals, die der Angriff weiter verlaufen würde. Das Moskauer Ziel, die gewählte Führung der Ukraine zu eliminieren war aber evident. Zelensky hat Haltung bewiesen, das muss man anerkennen, egal wie man zu ihm steht. Die Verweigerung der Flucht hätte auch sein Todesurteil sein können.

Viele im Westen gingen damals davon aus, dass es eine Frage von Tagen oder Wochen wäre, bis Kyiv fällt. Mit genau dieser Erwartungshaltung haben damals wohl viele westliche Politiker ihre Versprechen abgegeben, die Ukraine zu unterstützen, solange es notwendig ist. Wäre Kyiv in wenigen Tagen oder Wochen gefallen, wäre man wie nach der Annexion der Krim zur Tagesordnung übergegangen.

Das Gegenteil von Haltung zeigte Mitte Jänner die diesjährige Friedensnobelpreisträgerin und Oppositionelle gegen das kommunistische Regime in Venezuela, Maria Corina Machado, als sie dem US-Präsidenten Donald Trump die Medaille des Friedensnobelpreises überreichte. Das hat dem MAGA-Narzissten sicher geschmeichelt.

Für Venezuela oder Frau Machado wird es nichts bringen. Trump hält wenig bis gar nichts von Demokratie, für die Frau Machado hoffentlich noch steht. Trump hat kein Problem, mit dem bisherigen kommunistischen Regime zusammenzuarbeiten, solange die genug Öl liefern, das dann von den USA verkauft wird. Nun jene Entschädigungen einzufordern, die einst bei der Enteignung amerikanischer Firmen diesen durch internationale Schiedssprüche zugesprochen wurden, wäre ja legitim. So wie sich Trump geriert, geht es im aber nicht um die Durchsetzung von Rechten, sondern um Macht und Rohstoffe.

Im Gegensatz zu Zelensky hat sich Machado dem Hegemon unterworfen. Sie hat damit bewiesen, dass sie keine Haltung hat und den Nobelpreis nicht verdient. Sie hat ihn für eine Schmeichelei entwürdigt. Die Welt ist damit zurück im Spiel der Hegemonie. Wer Haltung hat, wird sich aber weiter für eine regelbasierte Ordnung einsetzen.