Sie ist eine klaffende Wunde in einer Gesellschaft. Die Korruption. Sie zerstört und lähmt. Sie kann aber auch zur gezielten Manipulation verwendet werden. Und es ist auch die Frage, wie eine Gesellschaft damit umgeht. Wird sie thematisiert oder totgeschwiegen. Ein Kommentar von Rainhard Kloucek
Wie ein Parasit befällt die Korruption eine Gesellschaft. Im schlimmsten Fall zerstört sie die Gemeinschaft komplett, in abgemildeter Form sät sie Misstrauen und lähmt die Entwicklung. Die Ukraine gehört zweifellos zu jenen Ländern, in denen es Korruption gibt. Das Land kämpft momentan an mehreren Fronten darum, sich endgültig aus dem Erbe der Sowjetunion zu lösen. Die war nämlich ein durch und durch korruptes System, wie man auch heute noch im Moskauer Kolonialreich beobachten kann.
Wobei die Korruption a la Moskau kaum thematisiert wird. Wie auch? Putin, der Tyrann von Moskau würde jeden öffentlichen Verdacht darüber brutal unterdrücken. Da fallen lieber ein paar Leute aus dem Fenster im sechsten Stock, vergessen aber nicht, noch das Fenster zu schließen.
Was die Ukraine im Gegensatz dazu auszeichnet, ist die Tatsache, dass trotz des brutalen Krieges, den Moskau zur Vernichtung des Nachbarlandes führt, gegen Korruption vorgegangen wird. Und man spricht und schreibt auch darüber.
Nur ein Problem das bekannt ist, kann bekämpft werden. Für die Freunde Putins im Westen ist der jüngste Korruptionsskandal in der Ukraine nur ein gefundenes Fressen. Lautstark fordern sie ein Ende der Unterstützung des Landes. Über die Folgen denken diese Verhetzer nicht nach. Denn eine Übernahme der Ukraine durch Moskau würde die Korruption keinesfalls beenden. Im Gegenteil. Die Folgekosten für Europa wären enorm.
Wobei es die sichtbare und die unsichtbare Korruption gibt. In den meisten Ländern des ehemaligen Ostblocks gibt es eine hohe Sensibilität. So ziemlich jeder Fall, der über ein privates Schmiergeld bei einer Behörde hinaus geht, wird medial berichtet.
Unsichtbar hingegen ist jene strategische Korruption, mit der Moskau Teile der europäischen Gesellschaft überzogen hat und noch immer überzieht. Das geht von der Kultur über die Wirtschaft, den Sport bis tief in die Politik. Man beachte einmal wieviele Politiker auf russischen Gehaltslisten standen oder noch immer stehen. Das klare Ziel Moskaus ist es, diese Leute für seine Interessen – gegen die Interessen Europas – einzuspannen. Damit haben die Freunde Putins im Westen aber kein Problem.

