Positionspapier
zur Zukunft Europas
Die Europäische Union steht vor der großen Herausforderung,
ihre Institutionen und die Strukturen ihrer Verträge und ihrer
Entscheidungsfindung für Bürger und Politiker verständlicher und transparenter
zu machen und gleichzeitig für eine erweiterte Union funktionsfähig zu
gestalten.
Die Paneuropabewegung Österreich – als eine der wesentlichen
Stützen der 1922 in Wien gegründeten ältesten europäischen Einigungsbewegung –
bekennt sich zu einem gemeinsamen Europa als Raum der Freiheit, der Sicherheit
und des Rechts. Wir betonen den Grundsatz, daß jedes europäische Land das
grundsätzliche Recht auf Mitgliedschaft in der Europäischen Union hat. Die
Anerkennung dieses Grundsatzes ist die Voraussetzung für echte und glaubwürdige
Politik einer europäischen Einigung.
Dieses Positionspapier ist die Grundlage für die Diskussion
zur Europawahl 2009 und die für ein Funktionieren der Europäischen Einigung zu
setzenden Schwerpunkte.
Verabschiedet von der Paneuropabewegung Österreich bei der
Generalversammlung am 19. September 2008 in Eisenstadt.
Subsidiarität:
Im Gegensatz zur
weit verbreiteten Meinung, Subsidiarität sei ein Delegationsprinzip, dem
folgend Nationalstaaten Kompetenzen auf andere Ebenen delegieren, ist
Subsidiarität tatsächlich ein natürliches Ordnungsprinzip. Es geht davon aus,
daß Zuständigkeiten auf jener (administrativen, politischen,
gesellschaftlichen) Ebene angesiedelt werden müssen, wo sie am besten –
oberstes Ziel ist dabei immer das Gemeinwohl – wahrgenommen werden können.
Subsidiarität geht deshalb über den eingeschränkten Souveränitätsbegriff des
Nationalstaatskonzeptes des 19. Jahrhunderts hinaus und anerkennt in Ordnung
gegliederte Souveränitäten, die für den jeweiligen Souverän Zuständigkeit und
damit verbunden auch Verantwortung bedeuten.
Für eine
subsidiäre Ordnung gibt es nicht nur eine Unterscheidung zwischen Europäischer
Union und Mitgliedstaat mit einer fakultativen regionalen Ebene, sondern eine
dezentrale Struktur, die von der lokalen Einheit bis zur europäischen Ebene
reicht. Zusätzlich anerkennt die Subsidiarität gesellschaftsbildende Einheiten
(wie beispielsweise die Familie), und das freie Individuum, die – ebenso wie
die administrativen Einheiten – je eigene Souveränitäten besitzen.
Subsidiarität
stellt deshalb auch nicht die Frage, „wie viel Europa brauchen wir?“, sondern
nur die Frage, „wie viel Regierung, wie viel Staat, wie viel staatliche
Intervention brauchen wir?“ Der Grundsatz der Freiheit in Verantwortung steht
vor der Regelungswut des heute vorherrschenden Gesetzespositivismus (sowohl auf
der
europäischen
Ebene als auch in vielen Mitgliedsstaaten). Im Sinne dieser Freiheit in
Verantwortung strebt die Paneuropabewegung nach einer drastischen Reduzierung
gesetzlicher Bestimmungen und staatlicher Interventionen, die letztlich nur
einer Zentralisierung der Macht dienen.
Europäische
Werte:
Im
Paneuropa-Symbol spiegeln sich die europäischen Traditionen und die europäische
Identität im Sinne der griechischen Philosophie und des Christentums wider. Sie
bilden das Fundament auf dem die europäische Einigung gebaut ist. Wer –
beispielsweise durch neue totalitäre Ideologien wie „gender mainstreaming“ oder
durch die Schaffung eines zentralistischen Regulierungs- und
Überwachungsstaates – dieses Fundament zerstört, zerstört damit auch die Idee
einer europäischen Einigung.
Raum der
Freiheit, der Sicherheit und des Rechts:
Wer die Freiheit
unter dem Deckmantel der Sicherheit einschränkt, hat am Ende keines von beiden
mehr. Was dann übrig bleibt ist der totale Staat und die organisierte
Kriminalität. Als Paneuropäer wenden wir uns gegen die zunehmende Überwachung
und Kontrolltätigkeit der staatlichen Bürokratie, und sprechen uns stattdessen
für einen Ausbau der bürgerlichen Freiheit aus (Beispiel Videoüberwachung,
Telephonüberwachung, Internetspionage, absurde Flughafenkontrollen, …)
Europäische
Außen- und Sicherheitspolitik:
In der Tradition
der Aussagen des Paneuropa-Gründers Richard Coudenhove-Kalergi und seiner
Nachfolger Otto von Habsburg und Alain Terrenoire betonen wir, daß das erste
Ziel einer echten europäischen Einigung die Schaffung einer europäischen Außen-
und Sicherheitspolitik sein muß. Die theoretische Souveränität der
Mitgliedsländer in der Außenpolitik entfaltet in der heutigen Situation der
Weltpolitik keine Wirkung mehr. Die Reduzierung Europas auf einen Spielball der
Weltmächte ist die logische Folge. Nur eine tatsächlich europäisierte Außen-
und Sicherheitspolitik kann Europa zu einem ernsthaften Partner in der
Weltpolitik machen. Wenn wir von der „Weltmacht Europa“ sprechen, dann
verstehen wir darunter eine Weltmacht der Freiheit und des Rechts, die in
Partnerschaft mit seinen Nachbarn lebt, aber stark genug ist, um
imperialistischen und kolonialistischen Aggressionen von Nachbarn Einhalt zu
gebieten.
Paneuropa ist
ganz Europa:
Unter diesem
Schlagwort betonen wir den Grundsatz, daß jedes europäische Land ein Recht auf
Mitgliedschaft in der Europäischen Union hat. Dieser Grundsatz gilt für die
mitteleuropäische Schweiz genauso wie für die nordeuropäischen Länder Norwegen
und Island, die Länder Südosteuropas, die Ukraine und Weißrußland sowie das von
Rußland besetzte Gebiet um Königsberg. Für Europäer gilt der Grundsatz der
Reisefreiheit innerhalb Europas.
Europäische
Wirtschaft:
Menschen und
Völker die untereinander im freien Wettbewerb zum allgemeinen Wohle Handel
treiben, bekämpfen einander nicht auf dem Schlachtfeld. Wir bekennen uns
deshalb zu einer freien Wirtschaft und den in den Römischen Verträgen
festgelegten Grundfreiheiten des Binnenmarktes. Staatliche Regierung ist dort
zulässig, wo sie der Herstellung von Rechtssicherheit dient.
Europa
braucht Europäer – ein Europa der Bürger:
Sowie die
Demokratie Demokraten braucht, so braucht Europa Europäer, europäische Bürger. Als
europäische Idealisten wenden wir uns gegen die zunehmende Bürokratisierung
Europas durch die Schaffung von Agenturen und Organisationen von
Speseneuropäern, die – finanziert durch das Geld der Steuerzahler – nur
mehr im eigenen Interesse agieren und damit die Idee des freien europäischen
Bürgers pervertieren. Dies betrifft insbesondere die Förderungspolitik der
Institutionen der EU aber auch der Mitgliedsstaaten, die – abgesehen von einer
Überbürokratisierung – eine reine „top-down“ Politik verfolgt, und jedes
idealistische Engagement für Europa behindert.