Der Gründer: Richard (Graf) Coudenhove-Kalergi. Geboren am 17. November 1894 in Tokio (Japan), gestorben am 27. Juli 1972 in Schruns (Vorarlberg, Österreich).
Am 15. November 1922 in der „Vossische Zeitung“, Berlin und am 17. November 1922 in der „Neue Freie Presse“, Wien, veröffentlich Richard Coudenhove-Kalergi seinen Artikel: „Paneuropa. Ein Vorschlag“. Darin fordert er – als Konsequenz aus dem Ersten Weltkrieg, den er als „Bürgerkrieg zwischen Europäern, als Katastrophe erster Ordnung“ definierte – den politischen und wirtschaftlichen Zusammenschluß der europäischen Staaten.
Coudenhove begann Politiker und andere bedeutende Persönlichkeiten von seiner Idee zu begeistern. Intellektuelle wie Heinrich und Thomas Mann, Stefan Zweig, Gerhard Hauptmann, Rainer Maria Rilke, Franz Werfel, etc. unterstützten seine Ideen. Der tschechoslowakische Staatspräsident Masaryk gehörte genauso zu den Unterstützern wie der österreichische Bundeskanzler Ignaz Seipel oder der französische Außenminister Aristide Briand. Zirka 2.000 Personen aus 24 Nationen nahmen am ersten Paneuropa-Kongreß von 3. bis 6. Oktober 1926 in Wien teil.
Auf beharrliches Drängen Coudenhove-Kalergis schlug Aristide Briand am 5. September 1929 in einer Rede vor dem Völkerbund die Schaffung einer Föderation der europäischen Nationen vor. Kurz darauf starb Gustav Stresemann, der deutsche Außenminister, der die Friedensinitiativen ebenfalls förderte. Die Entwicklung in Deutschland begann jenen verhängnisvollen Lauf, der in die Machtübernahme der Nationalsozialisten und dem Zweiten Weltkrieg mündete. Die Paneuropa-Union wurde zuerst in Deutschland verboten. Coudenhove konzentrierte sich auf die Erhaltung der Unabhängigkeit Österreichs, von der nach Coudenhoves Meinung die Zukunft Europas abhing.
Den Zweiten Weltkrieg verbrachte Coudenhove-Kalergi genauso wie sein Nachfolger in der Funktion des Präsidenten der Paneuropa-Union, Dr. Otto von Habsburg, in den USA.
Nach dem Krieg erkannte Coudenhove, daß die größte Gefahr durch den imperialistischen Kommunismus droht. 1947 gründete er die „Europäische Parlamentarier-Union“ und begann auch mit dem Wiederaufbau der Paneuropa-Union. Otto von Habsburg wurde 1957 zum Vizepräsidenten der Paneuropa-Union gewählt. Nach dem Tod Coudenhoves 1972 wurde er 1973 auf Vorschlag des französischen Staatspräsidenten Georges Pompidou zum Präsidenten gewählt. Generalsekretär war bereits seit 1965 der langjährige Berater der EG-Kommission und persönliche Freund und Weggefährte Coudenhoves, Vittorio Pons.
In der Frage der europäischen Einigung machte die Paneuropa-Union klar, daß sie die Jalta-Linie, den Eisernen Vorhang, nicht als Grenze Europas zu akzeptieren bereit ist. Kontakte zu Untergrundgruppen im damaligen Ostblock wurden aufgebaut.
Weltanschaulich bekennt sich Paneuropa zu einem klaren Weltbild, das auf dem Fundament der christlichen Wurzeln Europas steht.
Durch die Wahl Otto von Habsburgs in das Europäische Parlament 1979 (erste Direktwahl) begann sich der Paneuropa-Gedanke auch in dieser demokratischen Volksvertretung zu etablieren. Eine Paneuropa-Intergruppe wurde gegründet, die heute zirka 100 Mitglieder zählt. Zu einer der ersten Initiativen von Habsburgs gehörte die Aufstellung eines leeren Stuhls im Plenarsaal. Dieser leere Stuhl sollte für die unter Sowjetherrschaft leidenden Völker Mittel- und Osteuropas deren Zugehörigkeit zu Europa demonstrieren.
Die paneuropäischen Europaparlamentarier setzten sich für die Einführung eines einheitlichen Europapasses, für den Abbau von Grenzkontrollen oder auch für die zwölf Sterne auf blauem Grund als offizielles Europa-Symbol ein.
Am 19. August 1989 konnten beim „Paneuropäischen Picknick“ an der ungarisch-österreichischen Grenze die ersten 661 Bürger der DDR in die Freiheit fliehen. Das Ende des Sowjetkommunismus in Ost- und Mitteleuropa war eingeleitet. Noch im Oktober 1989 wurde die ersten offiziellen Paneuropa-Gruppen im ehemaligen Ostblock, gegründet. In Ungarn gab es eine Sektion bereits seit 1988.
Nach der Überwindung des Eisernen Vorhanges setzte Paneuropa Initiativen zur Neugründung von Paneuropa-Gruppierungen in den mitteleuropäischen Staaten. Politisch konzentriert man sich darauf die Europäische Union zu vertiefen, zu erweitern und geistig zu erneuern. Die für 2004 angekündigte und erwartete nächste Erweiterung der Europäischen Union ist für Paneuropa ein wichtiger Schritt zur Wiedervereinigung Europas. Weitere Erweiterungsrunden zur Einbeziehung von Staaten wie der Ukraine, Kroatiens oder anderer Staaten Südosteuropas, die heute noch keine EU-Beitrittsperspektive haben, sind ein wichtiges Ziel für uns.
Inhaltlich setzt sich Paneuropa für eine Verankerung und Durchsetzung des Subsidiaritätsprinzips ein: Nur Sachbereiche, die europäische Lösungen erfordern, müssen auch in die europäische Kompetenz (Beispiel: Außen- und Sicherheitspolitik). Hier geht es um eine Konzentration auf das wesentliche. Paneuropa setzt sich für die nachhaltige Sicherung der europäischen Vielfalt ein.
Die Paneuropa-Union hat heute Mitgliedsorganisationen in folgenden Staaten: Albanien, Belgien, Böhmen und Mähren (Tschechien), Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Deutschland, England, Estland, Finnland, Frankreich, Italien, Kroatien, Lettland, Luxemburg, Makedonien, Österreich, Rumänien, San Marino, Schweden, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Spanien, Ungarn.
Für weitere Informationen: www.paneuropa.org
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